Die Credit Suisse ist in Schwierigkeiten. Die Erholung wird „schmerzhaft“ sein und der Markt verliert das Vertrauen

Das Anlagegeschäft der Credit Suisse, dessen Wurzeln bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen, ist durch fehlgeschlagene Geschäfte und eine Affäre erkrankt. Die Aktien der Bank waren noch nie so günstig wie heute. Die Chefs bereiten einen „anstrengenden und schmerzhaften“ Sanierungsplan vor, um das Finanzinstitut wie Phönix aus der Asche wiederzubeleben. Der Markt ist nicht überzeugt – er sichert sich gegen Insolvenz ab.

Die Credit Suisse, die zweitgrößte Bank der Schweiz (vor der UBS) mit globaler Reichweite, ist in Schwierigkeiten. Die Ergebnisse der Gruppe verschlechtern sich von Quartal zu Quartal. Die Börsenkapitalisierung des Unternehmens liegt unter 10 Milliarden Schweizer Franken, ein historischer Tiefstand. Am 27. Oktober wird das Unternehmen seine Ergebnisse für das dritte Quartal 2022 veröffentlichen und einen Plan zur Umstrukturierung des Unternehmens vorlegen. Die Besorgnis über die Zukunft der Bank wächst.

Der Markt verliert das Vertrauen

Die nervöse Atmosphäre wird durch die wachsende Nachfrage nach CDS aufgeheizt. Dabei handelt es sich um Derivate, die mit einer Police vergleichbar sind sie bieten Sicherheit für den Fall eines Zahlungsausfalls. Sie werden von Anlegern gekauft, denen gegenüber ein vom Konkurs bedrohtes Unternehmen eine finanzielle Verpflichtung hat. Am 30. September 2022 war die CDS-Bewertung der Credit Suisse die gleiche wie im Jahr 2009, kurz nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und dem Ausbruch der globalen Finanzkrise.

Fehlinvestitionen und eine Affäre

Im Zentrum der Probleme der Credit Suisse steht das Anlagegeschäft. Mit einem Anteil von 39 % am Umsatz der Gruppe ist dies ein wichtiger Zweig des Unternehmens. Weitere Produkte sind das klassische Bankgeschäft: Privat- und Firmenkonten, Einlagen, Anleihen usw. Um die Entstehung der Probleme der Schweizer Bank besser zu verstehen, müssen wir uns an einen der größten Finanzmarktskandale erinnern, in den der Fonds Archegos Capital Management verwickelt war. Sie verwaltete das persönliche Vermögen von Bill Hwang, dem koreanischen Investor, der im vergangenen Jahr zum Zusammenbruch des Unternehmens führte. Archegos war ein Kunde vieler großer Banken. Mit dem Geld, das er sich von ihnen geliehen hatte, kaufte er Aktien, wobei er zusätzlich die so genannte Hebelwirkung (Leverage-Effekt) einsetzte – sie ermöglicht es, viel mehr Geld zu investieren, als man derzeit hat. Solange die Aktienkurse stiegen, war alles in Ordnung. Als die Märkte zu fallen begannen, forderte Goldman Sachs Archegos zur Rückzahlung seiner Kredite auf. Um sie zurückzahlen zu können, musste er die Aktien, an denen er beteiligt war, verkaufen. Als sie damit begann, stürzten die Kurse dieser Wertpapiere ab, und das Problem griff auf andere Banken über.

Warum war die Credit Suisse von allen Banken am stärksten betroffen?

Während Goldman Sachs und Morgan Stanley ihre riskanten Engagements im Zusammenhang mit dem zusammengebrochenen Fonds rechtzeitig losgeworden seien, habe die Credit Suisse erst im Nachhinein reagiert.

Dies ist nicht die einzige gescheiterte Investition der Schweizer Bank. Auch die Credit Suisse hat durch den Zusammenbruch ihres Fonds Greenfield Capital im vergangenen Jahr einen Verlust erlitten.

Die Credit Suisse verzeichnete bei ihrer Investition in Greenfield einen Verlust von rund 2 Mrd. $ zuzüglich Restrukturierungs- und Rechtskosten. Im Gegensatz dazu verlor die Bank zwischen 4,7 und 5,1 Mrd. $ bei ihrer Investition in Archegos.

Anfang des Jahres kam es zu einem Skandal aufgrund eines massiven Datenlecks, das rund 30.000 Kundenkonten in aller Welt betraf. Die von diesen Personen bei der Bank deponierten Gelder belaufen sich auf über 100 Milliarden Schweizer Franken. Es kam ans Licht, dass Personen mit Verbindungen zur kriminellen Welt Geld in dieser Bank angelegt hatten.

Die Häufung negativer Ereignisse veranlasste hochrangige Mitarbeiter, den Vorstand der Bank zu verlassen. Sie wollten nicht, dass ihr Name mit einer Einrichtung mit zweifelhaftem Ruf in Verbindung gebracht wird.

Credit Suisse muss Vertrauen zurückgewinnen

Die Kunden verloren das Vertrauen in die Bank und zogen ihr Kapital ab. Um sie zu beruhigen, kündigte der Verwaltungsrat der Credit Suisse an, das Investmentbanking im Rahmen des Turnaround-Plans in eine eigene Gesellschaft auszugliedern. An den Kapitalmärkten fallen die Aktien- und Anleihekurse gleichzeitig, was seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen ist. Das bringt Verluste für die Bank und gefährdet den gesunden Teil des Geschäfts, nämlich das klassische Bankgeschäft.

Die Ankündigung des CEO der Credit Suisse zeigt, dass die Umstrukturierung schmerzhaft und mühsam sein wird. Nach Ansicht des XTB-Experten sind Entlassungen zu erwarten.

Die Atmosphäre um die Bank verdichtet sich, und einige Medien vergleichen die Probleme der Credit Suisse mit denen von Lehman Brothers, die 2009 zusammengebrochen sind, und vermuten, dass sie zu einer globalen Finanzkrise führen werden. Man kann es als Spiel mit einer heißen Kartoffel vergleichen. Es stellte sich heraus, dass die letzte Person, die sie besaß, Lehman Brothers war. Als diese Bank zusammenbrach, stellte sich heraus, dass die Anleihen wertlos waren.

Die Probleme der Credit Suisse und die Auswirkungen auf den Markt

Heute ist die Situation anders. Die Credit Suisse ist für ihre schwierige finanzielle Situation weitgehend allein verantwortlich. Der Ausbruch einer weiteren globalen Finanzkrise als Folge eines möglichen Zusammenbruchs dieser Bank scheint unwahrscheinlich. Dennoch müsse man mit den lokalen und kurzfristigen Folgen der fragwürdigen Zukunft der Credit Suisse rechnen.

Der Zusammenbruch einer großen Schweizer Bank hätte schwerwiegende Auswirkungen auf den europäischen Finanzmarkt, da die Banken, insbesondere in den westlichen Ländern, miteinander verbunden sind.

Der Staat als Retter in der Not! Würde die Schweizer Regierung diese Bank scheitern lassen?

Die Chancen sind gering. Wahrscheinlich wird es ähnlich sein wie im Fall der UBS, der größten Schweizer Bank, die während der Finanzkrise ebenfalls Probleme hatte. Die Schweizer Regierung rettete die Bank. Sie wurde dann umstrukturiert und ihr Geschäft unterliegt nun nicht mehr solchen Schwankungen wie die Credit Suisse.

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